Montag, 18. Juni 2012

Diana


Wir trafen uns vor mehr als zwanzig Jahren,
verbrachten zweisam eine kurze Zeit.
Das werde ich mir immerzu bewahren,
denn was da nicht war, tut mir heut noch Leid.

Gedankenlesen war für uns das Eine,
doch herrschten stets auch Unmut und Distanz.
Erinnre dich, dann weißt du, was ich meine -
wir tanzten wohl den undankbarsten Tanz.

Noch heute kann ich deine Stimme hören,
sie war mir wohl gesonnen, zugeneigt.
Es war an mir, dein Wesen zu betören,
doch hab’ ich meine Stärken nie gezeigt.

Du warst mir eine Königin der Freiheit,
so unnahbar wie mancher Stern der Nacht.
Das war denn auch schon unsre größte Dummheit:
Was menschlich war, ist in uns nie erwacht.

Wir sprachen über kluge Philosophen,
vergeistigt bis ins innerste Detail.
Was nutzten uns jedoch die weisen Strophen?
Im Wesentlichen fanden wir kein Heil.

Du lebst zufrieden, ganz in meiner Nähe,
zufrieden war ich auch, das weißt du wohl.
Ich frag mich, was wohl wär’, wenn ich dich sähe,
und frag mich, ob ich mir das wünschen soll.

Nein, nein! Die Lebensuhr, sie dreht sich weiter,
für uns zwei gab es niemals einen Raum.
Ich schmunzle über mich, befreit und heiter:
Wie dumm vergab ich mir den schönsten Traum?

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